Band 2: Das Geheimnis des Wertschomobils

Band 2: Das Geheimnis des Wertschomobils

Zeppo, der Sjerp aus dem Großartigen Wald, erholt sich gerade von seinem letzten Abenteuer, da erreicht ihn ein merkwürdiger Brief. Zusammen mit seinen Freunden macht er sich auf den Weg nach Rasenien. Aber auf dem Weg dorthin kommt ihnen ihr Wertschomobil abhanden und gefährliche Ereignisse bringen sie in Schwierigkeiten. Zeppos Freunde stehen ihm dabei wie immer zur Seite um die Gefahren zu meistern und das Geheimnis des Wertschomobils zu lüften.

 

 

 

Zeppo Bd. 2

Band 2: Das Geheimnis des Wetschomobils - Lora im Taschenformat

Der nächste Morgen brach bereits an. Die vier Waldbewohner und Lora waren eigentlich schrecklich müde. Sie hatten nicht viel geschlafen und waren nur von der Aufregung um das verschwundene Wertschomobil wachgehalten worden. Doch trotz ihrer Müdigkeit wollten sie wissen, was es mit Digis auf sich hatte. Wie hatte er sie denn bloß gefunden? Und was war das für ein Gerede, dass er den Weg kannte?

Sie hatten wieder ein Feuer entfacht und saßen im Kreis darum herum und lauschten Zeppo und Digis. Zeppo runzelte die Stirn.

„Also ich möchte jetzt gerne wissen, wieso du uns gefolgt bist. Und wieso kennst du den Weg nach Rasenien? Und…“

Digis hob beschwichtigend die Hand.

„Bitte, ich kann alles erklären, aber lass mich von Anfang an erzählen.“

Zeppo und die anderen nickten ihm zu. Digis lehnte sich zurück und begann.

„Nachdem ich dich besucht hatte, ließ ich dich nicht mehr aus den Augen. Ich hab dich verfolgt. Natürlich konntest du mich nicht sehen. Ihr wisst ja, dass wir uns besonders gut tarnen können. Das liegt an unserem Umhang und unserem Hut. Beide sind aus einem ganz besonderen Garn gewebt, aus Wertschgarn. Es kann die Farbe wechseln. Oder es passt sich dem Hintergrund an. Und äh … ach, ist auch nicht so wichtig. Jedenfalls war ich eine ganze Weile lang damit beschäftigt, dich zu beobachten. Als ich mitbekommen hatte, was mit deiner Tante passiert ist, und dass ihr einen Weg nach Rasenien sucht, kam mir eine Idee. Ich bin aus Rasenien und bin diesen Weg schon mehr als einmal gegangen. Das bedeutet, ich kenne ihn ziemlich gut.“

Zeppo unterbrach ihn.

„Was soll das heißen, du bist diesen Weg schon mehr als einmal gegangen. Wann?“

Digis sah aus als wolle er lieber nicht darüber sprechen.

„Nun ja, schon vergessen? Ich bin ein Verräter. Ich musste Rasenien damals verlassen. Ich, ähm, habe meine Familie verraten. Aber das tut jetzt nichts zur Sache. Wie dem auch sei, ich kenne den Weg. Deshalb habe ich euch, obwohl ich wahrlich nicht gut zeichnen kann, eine Wegbeschreibung gezeichnet. Und die wollte ich euch bringen.“

Digis zog einen Zettel aus seinem Umhang und faltete ihn auseinander. Er war sehr häufig geknickt worden und die Schrift war stellenweise schlecht zu lesen. Er reichte ihn Zeppo herüber, der ihn gerne entgegen nahm. Zeppo sah sich den Zettel eine Weile lang an. Dann sah er zu Digis herüber.

„Danke, das ist nett. Aber bist du dir sicher, dass du mir alles gesagt hast? Ist da nicht noch etwas anderes?“ Digis schüttelte den Kopf.

„Nein, das wäre alles. Ich helfe euch, indem ich euch den Weg nach Rasenien zeige. Erwartet aber nicht, dass ich euch begleite. Ich kann nicht mehr dorthin zurück. Ihr seid auf euch allein gestellt.“

Mit diesen Worten sprang er auf, hüllte sich in seinen Umhang und war in großer Eile aus ihrem Sichtfeld verschwunden.

Zeppo versuchte nicht, ihn aufzuhalten. Er dachte bei sich, Digis würde einen guten Grund haben, so schnell zu verschwinden. Lisbeth, Jina und auch Sternchen wirkten erstaunt. Lora hatte so ein Verhalten erwartet und war nur wenig erstaunt.

„Also Leute, dann lasst uns nun, da wir die Karte doch endlich haben, sehen, dass wir vorankommen.“

Sie trieb die anderen an. Alle packten ihre Sachen zusammen und sie marschierten los. Sie liefen eine ganze Weile lang kreuz und quer über Stock und Stein und durch tiefes Gestrüpp. Irgendwann begannen sie, sich zu unterhalten.

„Sag mal Zeppo, hatte denn deine Tante irgendwelche Feinde? Ich meine, wer könnte sie entführt haben? Und vor allem warum?“

Lisbeth fragte sich das schon die ganze Zeit. „Der Entführer muss doch irgendetwas wollen. Er hat doch deine Tante nicht nur so zum Spaß entführt. Irgendwas muss doch dahinter stecken. Und dann diese Sache mit dem Wertsch! Warum ist er ausgerechnet jetzt so interessiert an deinem Wertschomobil? Er hatte doch vorher genügend Zeit gehabt, dich danach zu fragen. Also für mich klingt das alles sehr merkwürdig. Wenn du mich fragst, hängt das alles irgendwie zusammen.“

Lisbeth stapfte munter vor den anderen her. Sie schien nicht müde zu werden. Und während Zeppo ihr dicht auf den Fersen war, trotteten Sternchen und Jina ein wenig hinterher. Lora hatte sich weiter zurückfallen lassen. Es machte den Eindruck als wolle sie mit ihren Gedanken gerne allein gelassen werden. Und so ließen die vier sie in Ruhe. Zeppo ergriff das Wort.

„Ja Lisbeth, ich glaube das hängt wirklich alles zusammen. Digis hatte den Brief von meiner Cousine Mera. Und ich frage mich, woher hatte er ihn? Wie hat er ihn bekommen? Und außerdem, wenn ich nicht von diesem Brief erfahren hätte, dann hätte ich auch niemals von der Entführung meiner Tante erfahren. Aber ich frage mich die ganze Zeit, was der Entführer wohl will.“

Es herrschte einen Moment lang Stille. Lisbeth blieb stehen. Sie drehte sich zu Zeppo um.

„Vielleicht will der Entführer dein Wertschomobil.“ Alle blieben stehen. Zeppo war überrascht.

„Jetzt denkt doch mal nach!“, sagte Lisbeth, „In dem Brief von deiner Cousine stand, dass du auf keinen Fall nach Rasenien kommen sollst. Und weil er so merkwürdig geschrieben war, bist du misstrauisch geworden. Wie wir alle. Und wir haben erfahren, was mit deiner Tante passiert war. Also sind wir losgezogen um deine Tante zu befreien ohne Genaueres zu wissen. Und jetzt tun wir genau das, was du nicht tun solltest. Zeppo, was wenn jemand genau das alles hier gewollt hat? Was, wenn jemand ganz bewusst diesen Brief geschrieben hat, um dich nach Rasenien zu locken?“

Wieder herrschte absolute Stille. Man hörte nur noch die Geräusche des Waldes. Zeppo stand wie angewurzelt da. Alle starrten ihn an.

„Das hört sich alles sehr logisch an, aber warum sollte jemand ausgerechnet mich nach Rasenien locken wollen. Und was soll das Wertschomobil damit zu tun haben?“ Zeppo sah fragend zu Lisbeth herüber.

Lisbeth grübelte. Sie ging weiter und die anderen folgten ihr. Sie blieb plötzlich stehen und wurde von den anderen beinahe umgerannt.

„Ist dein Wertschomobil denn wertvoll? Oder hat es etwas Besonderes an sich?“

Zeppo schüttelte den Kopf.

„Das ganze Wertschomobil ist etwas Besonderes. Ich kenne niemanden sonst, der so etwas hat. Vielleicht will es jemand haben, weil es einzigartig ist. Aber wer?“

Niemand antwortete Zeppo. Stumm gingen sie weiter. Jeder ging seinen eigenen Gedanken nach. Keiner von ihnen sprach ein Wort. Plötzlich hörten sie ein zischendes Geräusch hinter sich. Es machte ZZZSCHH und FIIIIP und plötzlich machte es ZIP!

Die vier drehten sich um und sahen erschrocken zu Lora. Sie war von einer Rauchwolke umgeben, die sich langsam verzog. Dann, auf einmal, war sie winzig klein. So klein, dass sie bequem in Jinas Umhängetasche gepasst hätte.

Zeppo und seine Freunde standen um die kleine Hexe herum und starrten sie an. Sternchen beugte sich zu ihr herunter.

„Lora? Ist alles in Ordnung? Ich meine, du bist ganz winzig! Kannst du …, äh, gibt es einen Grund dafür? Also, weißt du, warum du so klein bist?“

Lora reckte ihren Hals. Es fiel ihr sehr schwer, zu den anderen hochzuschauen.

„Sternchen, sei doch bitte so nett und nimm mich hoch. Ich müsste in deine Hand passen.“

Sternchen tat, worum Lora sie gebeten hatte. Zeppo, Lisbeth, Jina und Sternchen starrten auf die kleine Hexe in Sternchens Hand.

Die blickte zu ihnen hoch. Sternchen wollte erneut wissen, was geschehen war.

„Lora, was ist denn bloß passiert? Wieso bist du plötzlich so winzig klein?“

Alle warteten auf eine Antwort. Lora ließ sich damit Zeit. Sie blickte traurig drein.

„Hmh, ich muss zugeben, dass ich es selbst nicht ganz genau weiß. Ich habe da so eine Ahnung, aber es könnte auch einfach etwas völlig anderes sein. Vielleicht ist es ja auch die Wurzelgrippe.“

Jina schüttelte energisch den Kopf.

„Nein, nein, das kann nicht sein. Du hast keine Wurzelgrippe. Ich weiß das ganz genau. Ich hatte die nämlich auch schon mal. Und ich bin damals nicht auf Taschenformat zusammengeschrumpft. Das war ganz anders. Aber was ist denn deine eigentliche Ahnung?“

Lora druckste ein wenig herum. Sie tippte mit ihrem winzigen Fuß auf Sternchens Hand herum – und das kitzelte sehr. So sehr, dass Sternchen ein wenig kichern musste.

„Naja, es könnte auch eine Familienkrankheit sein. Ich habe da so etwas gehört. Aber ich kann nichts Genaues sagen. Genau genommen können mir nur meine Eltern helfen. Ich muss wohl zu ihnen. Sie werden den Grund für mein Taschenformat nennen können.“

Zeppo gab ein grummeliges Geräusch von sich.

„Na toll, sollen wir jetzt noch einen Umweg machen? Das dauert alles viel zu lange.“

Lora schüttelte ihren kleinen Kopf. Ihre roten Haare standen mal wieder in alle Richtungen ab.

„Nein Zeppo, ich werde allein zu meinen Eltern gehen. Ich weiß, dass ihr nicht noch mehr Zeit verlieren wollt.“

Lisbeth hatte einen Einwand.

„Aber Lora, wie willst du denn zu deinen Eltern gelangen?“

Sie deutete mit dem Finger auf Loras Besen Apfelsine. Der Besen lag auf dem Waldboden und hatte immer noch seine normale Größe. Die Freunde hatten sich schon darüber gewundert, das Lora ihren Besen unbedingt mitnehmen wollte. Denn da sie zur Zeit ein paar Schwierigkeiten mit dem Zaubern hatte, konnte sie auch nicht besonders gut fliegen. Sie hatte es zwar versucht, aber sie war jedes Mal zu Boden gegangen. Trotzdem wollte sie ihren Besen mit nach Rasenien nehmen. Sie sagte, sie habe eine ganz besondere Beziehung zu ihrem Besen Apfelsine. Lora wäre niemals ohne ihn losgegangen, aber jetzt ergab sich ein echtes Problem.

Lisbeth sah zu Lora hinunter, die auf ihren Besen starrte und ein wenig ratlos aussah.

„Siehst du, was ich meine? Er ist nicht mitgeschrumpft. Er ist genau so groß wie vorher. Wie willst du also zu deinen Eltern gelangen? Ich meine, willst du laufen? Das kann bei deiner momentanen Größe eine halbe Ewigkeit dauern.“

Lora musste zugeben, dass Lisbeths Einwand durchaus Sinn hatte.

Sternchen hatte eine Idee.

„Du könntest dich doch einfach hinzaubern. Schließlich bist du eine Hexe.“

Lora winkte ab.

„Ich fürchte, dass meine Zauberkraft dafür nicht ausreicht. Ich bin geschrumpft, also sind auch meine Kräfte mitgeschrumpft. Ich muss irgendwie zu meinen Eltern gelangen. Aber wie?“

Lora grübelte und rieb sich dabei ihr Kinn. Und während sie das tat, dachten alle anderen angestrengt darüber nach, was man nun tun konnte. Bis Jina zu einem der Bäume ging und einen kleinen Zweig aufhob. Sie drehte sich zu den anderen herum und hielt den kleinen Zweig abschätzend in Loras Höhe.

„Hier, dieser Zweig, wie wäre es damit? Den könntest du doch einfach als Ersatz für Apfelsine nehmen und damit zu deinen Eltern fliegen.“

Lora fand die Idee gut. Sie verzauberte den kleinen Zweig, der freundlicherweise von Zeppo etwas zurechtgebogen wurde, damit Lora darauf Platz hatte. Lora vergewisserte sich noch einmal, ob es Apfelsine auch recht wäre, dass sie nun diesen mickrigen Zweig zum Fliegen nutzte. Dann verabschiedete sie sich von den anderen und flog los.

Zeppo, Lisbeth, Jina und Sternchen machten sich wieder auf den Weg nach Rasenien und nahmen Apfelsine mit. Sie hatten versprochen, den Besen aufzubewahren bis Lora zurückkehrte.